Ein Blick über Ländergrenzen hinweg: Wie das Arthotel Kiebitzberg internationale Talente gewinnt
Fachkräfte zu finden, ist für viele Betriebe in Sachsen-Anhalt zur Daueraufgabe geworden. Das Arthotel Kiebitzberg geht neue Wege und rekrutiert Mitarbeitende aus dem Ausland. Eine von ihnen ist Restaurantfachfrau Loan Le aus Vietnam. Sie hat in Havelberg ein neues Zuhause gefunden und einen Arbeitgeber, der viel Wert darauf legt, dass sie sich an ihrem neuen Arbeitsplatz willkommen fühlt. Eine Erfolgsgeschichte, die anderen Unternehmen Mut macht.
Das Arthotel Kiebitzberg liegt auf einer Anhöhe direkt an der Havel, die sich idyllisch am Fuße entlangschlängelt, bevor sie etwas weiter nördlich in die Elbe mündet. Im Sommer, wenn in Havelberg der Fahrrad- und Naturtourismus Hochsaison hat, tummeln sich hier Hotelgäste, Wandergruppen und Tagestouristen auf der großen Außenterrasse des Hotelrestaurants.
An einem dieser Tage, mitten im Hochsommer des letzten Jahres, wurde Restaurantfachfrau Loan Le aus Vietnam Teil des Serviceteams des Hotels.
Ankommen zwischen Havel und Herzlichkeit
Damals holte Hotelmanager Felix Goder sie persönlich vom Flughafen ab. Am ersten Tag gab es ein Willkommensfrühstück mit dem ganzen Team. Danach ging’s aufs Wasser – eine Bootsrunde auf der Havel, um die neue Heimat kennenzulernen. Später zeigten ihr die anderen Teammitglieder die Stadt, halfen bei Behördengängen und organisierten eine möblierte Wohnung in direkter Nähe zu weiteren vietnamesischen Mitarbeiterinnen des Arthotels. „Wir wollten ihr einen guten Start ermöglichen“, erklärt Felix Goder. „Gerade am Anfang unterstützen wir natürlich intensiv.“
Loan Le kommt aus der 9-Millionen-Einwohner-Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt. In der 6.000-Einwohner Stadt Havelberg hat sie sich mittlerweile gut eingelebt. „Meine Kolleginnen und Kollegen sind sehr nett. Ich habe sehr viel Spaß mit den Gästen und der Arbeit.“ Besonders schätzt sie die Ruhe rund um Havelberg. „Es gibt nicht so viele Leute hier, aber die Natur ist super. Ich finde das gut für mich.“ Das vietnamesische Essen und ihre Familie fehlten ihr natürlich.
Ein internationales Team
Das Arthotel Kiebitzberg, Teil der Familienunternehmen Kiebitzberg®, beschäftigt rund 30 Mitarbeitende, darunter weitere internationale Fachkräfte und Azubis, z. B. aus Ungarn, der Ukraine oder Marokko.
„Nach Corona mussten wir, wie viele Häuser, quasi bei null starten“, sagt Hotelmanager Felix Goder offen. „Viele Menschen sind damals nicht wieder in die Branche zurückgekehrt.“ Das Hotel schaute dann auch international nach Mitarbeitenden.
Für die Inhaber Andreas und Renate Lewerken sind Talente aus dem Ausland nicht nur ein Mittel gegen den Fachkräftemangel, sondern auch eine strategische Entscheidung. „Wir sehen im demografischen Wandel auch eine Chance. Andere Erfahrungen, andere Sichtweisen bereichern unsere Art der Arbeit; ob in unseren Produktionsbetrieben oder hier im Hotel.“
Man schätze besonders die große Loyalität der Mitarbeiterinnen aus Vietnam, ergänzt Felix Goder, der seit Anfang des Jahres als Geschäftsführer tätig ist. „Sie haben eine hohe Lernbereitschaft. Wenn man bereit ist, ein halbes Jahr Zeit zu investieren, bekommt man das vielfach zurück.“
Transparenz und Seriosität
Zu Loan Le kamen die beiden über das IHK-Projekt „Hand in Hand for International Talents“ (HiH). Das Projekt bringt Unternehmen mit internationalen Fachkräften zusammen. Die Wahl auf HiH fiel, weil man Vertrauen in die IHK habe, sagt Renate Lewerken. Es koste das Unternehmen zwar etwas Geld, aber dafür wisse man auch, dass im Hintergrund nichts geschehe, was nicht im Sinne von Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist. „Da wird niemand ausgebeutet. Da herrschen faire Bedingungen für alle Seiten.“
Die Wartezeit bis zur Einreise betrug fast ein Jahr. Eine Phase, die Geduld verlangt. „Aber die Transparenz im Prozess gibt Sicherheit. Man muss lernen, langfristig – und spontan – zu planen“, so Inhaberin Renate Lewerken.
Integration ist Teamsache
Im Arthotel ist Deutsch die Teamsprache. „Wir legen sehr viel Wert darauf, dass die Kollegen sich da anstrengen. Das erwartet der Gast“, sagt Renate Lewerken und fügt hinzu: „Aber wir strengen uns alle zusammen an: langsam sprechen, Dinge wiederholen, andere Formulierungen finden.“
Tatsächlich entwickelte sich Loan Le in wenigen Monaten enorm weiter, lobt die Inhaberin.
Loan Le lächelt. „Am Anfang war es schwierig. Aber meine Kolleginnen haben alles erklärt.“
Entscheidend ist die Unternehmenskultur. Das Haus setzt auf Offenheit, Coaching und Mitgestaltung. „Wir geben anstehende Aufgaben und Fragen ins Team und fragen: Was ist eure Idee?“, beschreibt Renate Lewerken den Führungsstil. „Nicht: Ich mache das seit 20 Jahren so.“
Was andere Unternehmen wissen sollten
Was raten die Verantwortlichen Betrieben, die noch zögern?
„Offenheit ist immer gut“, sagt Renate Lewerken. „Und man muss ehrlich prüfen, was man leisten kann und was nicht. Wir können unterstützen, eine Wohnung organisieren, Orientierung geben, achtsam schauen, was gebraucht wird. Wir sind ein Familienunternehmen, aber wir können keine Ersatzfamilie sein.“
Felix Goder ergänzt: „Bei uns im Team haben sich alle so wahnsinnig gefreut auf die Leute, die hierhergekommen sind. Wir haben eine tolle Firmenkultur und sind offen. Da spielt es keine Rolle, wo du herkommst.“
Für das Arthotel Kiebitzberg hat sich der Weg gelohnt. Fachlich wie menschlich.
Autorin: Jeannette Herrmann
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